Es gibt vereinzelt Tage in meinem Leben, da wacht man morgen auf und denkt: „Hello? Sie wollen heute die Welt erobern, oder?“ Passiert leider viel zu selten. DENN: Ich hasse diese anderen Tage, diesen „fast-immer-Tag“, da bin ich einfach nicht zufrieden. So äußerlich. Die Ursache versteht man selbst nicht. Ich bin also in mich gegangen und erzähle nun mal, in 3 Schritten, wie sich eine Endvierzigerin an solchen Tagen am Ende im Spiegelbild doch noch High-Five gibt.

Der vereinzelt gute Tag:

Heute war ein so anderer Tag. Komisch. Ich fühlte mich wohl in meiner Haut, als ich morgens aufstand. Ich schaute in den Spiegel und irgendwie hatte ich heute nicht diese richtig dunklen Ringe unter den Augen – also die RICHTIG Dunklen. Auch meine Falten um die Augen, waren irgendwie weniger. Was war los? Hm…habe ich etwas anders gemacht? Nein, ich war auf einem Vortrag gestern – gut, der spornte mein Hirn extrem an, aber straffte nicht die Haut. Ich habe noch einige Zeit über den Inhalt der Rede nachgedacht, trank danach noch ein Glas meines geliebten italienischen Weissweins, vielleicht auch zwei und ging dann ins Bett. Also irgendwie nix anderes als sonst.

Der „fast-immer-Tag“:

Es nervt, wenn man sonst morgens aufwacht und man sieht aus, als sei einem der LKW von der BSR (das ist übrigens die Berliner Stadtreinigung) über das Gesicht gefahren. Das war früher nicht so. Man hat nächtelang durchgefeiert – gut, das tuen wir „Alten“ heute auch noch manchmal. Gerade dieses Jahr ergab sich ein Abend oder besser eine Nacht, als ich morgens um viertel vor sieben, bei Vogelgezwitscher ins Bett kam. Aber glücklich. Ja gut, EINMAL im Jahr. Wie gesagt früher, waren wir doch ständig unterwegs, auch lang und haben tausend Sachen durcheinandergetrunken und waren am nächsten Tag fit wie ein Turnschuh und sahen gut aus. Ja, ich weiß, das ändert sich eben.
Das einzig probate Hilfsmittel an so einem Tag wäre eigentlich eine venezianische Maske.

Wenn ich doch nur manchmal mit einer Maske rumlaufen könnte

Schritt 1 am „fast immer Tag“:

Zurück zum LKW im Gesicht. Es nervt. Und dann schaut man morgens genauer in den Spiegel und spricht mit dem eigenen Bild: „Mach das bitte weg!“ Also das Bild in dem Spiegel. Dann wird gaaaaanz tief in die Beauty-Kiste gegriffen. „Irgendwo habe ich doch so ein Rescue-Set, aber wo?“ Dann wird alles auf Augen, Gesicht, Hals und Dekolleté geknallt, was das Reservoir hergibt. Schlammmaske inklusive. Und? Lupenspiegel vor das Fenster gezogen, im Bad habe ich die „damenfreundliche“ Beleuchtung. Nochmal, und? Der Momenteffekt ist vielleicht da, aber zwei Stunden später ist alles wieder in sich zusammen gefallen. Die Haut und mein Ego. Mist.

Schritt 2 am „fast-immer-Tag“:

Und dann erst recht. Es nervt erst recht. Auch wenn ich sonst tagsüber, nicht unbedingt zu Make-up greife, dann ist es aber eben soweit. Ich muss irgendwie den Glow hinbekommen. Eine Familienpackung Concealer unter die Augen klatschen. On top noch der „ich-komme-gerade-aus-St. Tropez“-Bronzer auf die Wangen, einen Tupfer Rouge und die Welt sieht doch schon viel besser aus. Ein bisschen. Der Hals ist allerdings immer noch faltig.

Schritt 3 am „fast-immer-Tag“:

Es nervt schon etwas weniger. Von den Haaren bis zum Kinn ist alles soweit ansehnlich. Dann komme ich zur Klamottenwahl. Stimmung ist so lala, Hals immer noch der eines chinesischen Faltenhundes. Dann ist heute eben wieder so ein Tag. Ich küre ihn als den Tag der Schluppenbluse. Aber bitte eine mit Stehkragen! Hochgeschlossen, mit Fokus auf die Schluppe. Problem gelöst.

„Fast-immer-Tag“ ist doch auch ein schöner Tag

Der Tag fängt gerade an wieder schön zu werden. Bin schon kaum mehr genervt. Das Beinkleid kurz überstreifen und irgendwelche Hacken anziehen. Die strecken und machen schlank – oh Gott, das ist ja auch noch so ein Thema, das lassen wir aber für heute. In Heels macht man dann so einen erhabenen Eindruck. Man läuft so aufrecht und das wirkt manchmal besser als ein Psychiater.
Ganzkörperblick in den Spiegel. Selbstreflexion. Doch, das Bild der Endvierzigerin ist doch ganz schön anzuschauen.

Ich war es noch nie und es dauert glaube ich noch etwas, bis ich zu extremen Mitteln greifen muß. Herrje, was es alles gibt. Staubsauger für die Haut, Fäden, die die Falten subkutan hinter die Ohren ziehen. Ach ich weiß nicht. Ich lass es einfach noch wie es ist. Es dauert eben alles etwas länger als früher, aber am Ende ist es Zeit für High-Five!

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