Marrakesch stand schon lange auf unserer Reise-Bucket List, schon allein, weil meine Freundin Andrea mich seit Jahren bekniet. Im Mai, bekam der Mann diese Kurzreise von mir geschenkt, obwohl es wetterbedingt noch bis November dauern mußte. Denn eine Reisezeit bei 25 Grad ist für uns doch angenehmer als im Sommer bei 46 Grad. Jetzt waren wir da und haben in 2,5 Tagen einen Kurztrip Marrakesch vom Feinsten erlebt. Alles zu Fuß und mit wundervollen Eindrücken, die bleiben. FOURhang und ab auf den fliegenden Teppich:

Schon allein das Ankommen auf dem Flughafen ist beeindruckend. Der Terminal ist modernste Architektur und man bleibt erstmal stehen und schaut an die Decke.

Das Dach des Flughafenterminals

Unser Riad hat uns einen Fahrer geschickt – wäre doch nicht nötig gewesen – dachte ich mir. Falsch gedacht. Als wir an Kamelen noch außerhalb der Stadt entlang fuhren, um dann durch eine der vielen Stadtmauertore in die Medina zu gelangen, an Eselskarren, Mopeds, Autos und natürlich vielen Menschen, um dann 5 Minuten vor dem Hotel ausgespuckt zu werden, war ich schon ganz froh, dass der Fahrer wußte, wo es lang ging. Herrje, dass das mein erster Eindruck von den Gässchen, die maximal eine Breite von 3 Metern und sonst so 50 cm haben, sein würde? Ohne Worte. Der Hoteldirektor holte uns am Wagen ab und führte und rechts, links, rechts links, durch eine Miniunterführung, um dann rechts vor einer braunen niedrigen Türe stehen zu bleiben. Nummer 28.

Riad Anayela

Simsalabim, darin erschloß sich unser Riad Anayela und ich war im Glück. Dieses 1001 Nacht Feeling ist gar nicht richtig zu beschreiben. Alles hell, liebevollst eingerichtet und riadtypisch, im Innenhof ein gefliester Minipool. Die 5 Zimmer des Hotels sind alle unterschiedlich und unseres war zauberhaft. Aber seht selbst:

Riad Anayela – Eindrücke von Innen, sooo liebevoll
Die Dachterrasse ist unschlagbar

Den Sonnenuntergang und Abend haben wir mit einem Sundowner auf der Dachterrasse verbracht. Den Blick über die Medina schweifen lassen, dem Muezzin um 10 vor sechs zugehört und später die erste Tajine genossen. Klassisch mit Gemüse und Couscous. Dazu marokkanischen Weißwein aus dem Atlasgebirge – so haben wir uns unseren Start zum Kurztrip Marrakesch absolut vorgestellt.

Die Medina – Tags 1 Kurztrip Marrakesch

Um 10 Uhr stand Mohammed an der Rezeption. Wirklich das erste Mal, dass wir uns einen Tourguide gegönnt haben. Normalerweise sind wir „arrogant“ genug und sagen, ein Buch reicht doch auch! Boah, nix da. Ich sagte ja bereits, diese Gässlein: Man hat keine Ahnung wo man ist und im Souk ist man sowieso hoffnungslos verloren, wenn man nicht weiß wohin. Mohammed also, führte uns zu „hidden places“, vorbei an kleineren Märkten, stiefelten Treppen hoch und riefen in einen Kindergarten „Salem Aleikum“. Duckten uns, um zu einem Bäcker in einem quasi „Loch“ zu gelangen. Der 92 jähriges Patriarch thronte auf einem Stuhl und überwachte, wie ca.200 Brotlaibe in den brennenden Ofen hinein und wieder hinaus geschoben wurden. Diese Koordination und diese Ursprünglichkeit. Wahnsinn.

Der Bäcker hat mich schwer beeindruckt und die Esel gehören zum Stadtbild
Schon allein diese Türen sind so schön!

Die Koranschule Medersa Ben Youssef war ein erstes architektonisches Highlight. Diese Fliesenspiegel, diese Schnitzereien und das alles aus dem frühen 14. Jahrhundert. Der Gebetssaal, ziemlich ohne Farbe, anders als alles anderes, unglaublich. Daneben die Moschee. Nichtgläubige dürfen aber Moscheen nicht besuchen.

Ben Youssef

Der Souk

Und auf einmal waren wir im Souk. So richtig Lust hatten wir eigentlich keine. Die Istanbul Erfahrung war so semi. Alle grabschen an einem rum. Hier aber nicht. Wir besuchten eine Lederhautauktion, bei der ich die einzige Frau war (Mohammed gab mir ja schon den Namen Fatima :)), eine ziemlich bunte marrokanische Apotheke, wo wir 1 Stunde über die Heilmittel belehrt wurden, was echt glaubwürdig und nachhaltig war.

Das nenne ich mal eine bunte Apotheke!

Und zum Ende der Tour saßen wir auf einer Terrasse des „Jemaa El Fan“, für Touristen „Big Place“, und schauten auf das noch ruhige Treiben, was gegen 17 Uhr bis 3 Uhr nachts in ein wildes Durcheinander mutiert. Streetfood, Schlangenbeschwörer, Affenkünstler, alles dabei – meins war es allerdings nicht.

Palais Bahia

So, und nun wurden wir alleine gelassen. Das Hotel hatte uns aber ein Handy mitgegeben – just in case. Mit 3 Karten und unserem Marco Polo Reiseführer ausgestattet, das muss doch klappen, ging es weiter. Zum Palais Bahia: Für mich einer der tollsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dieser prachtvolle Palast, der eine unglaubliche Größe aufweist, auch bereits Kulisse für den Film „Laurence von Arabien“ war, hat vor allem einen Innenhof, der wenn man drauf schaut, geradezu an einen Pool erinnert, allerdings ohne Wasser. Die Innengärten sind zauberhaft und für die damaligen Konkubinen des Großwesirs im 19. Jahrhundert gedacht. Ich wäre gerne heute mal Staatsgast, denn diese dürfen teilweise hier auch wohnen und große Empfänge werden hier noch abgehalten.

Eines meiner Highlights – Palais Bahia!

Eigentlich wollten wir danach den jüdischen Friedhof besuchen. Auf der Karte hieß es, genau gegenüber. Ergo: Wir haben uns derart verlaufen und sind nach ca. 6 km endlich dort angekommen. Hinweis: Wenn man etwas verzweifelt auf die Karte schaut, kommen Kinder und wollen einem auch den Weg weisen. Das fanden wir total nett. Gaben ihnen ein paar Dirham und fanden uns quasi am anderen Ende der Stadt wieder. Wir glauben niemanden mehr, der einen einfach anspricht, es stimmt einfach nicht. Nach einer kleinen Paarkrise, denn ich konnte echt nicht mehr laufen und es war schon 16:30 Uhr , beruhigte mich der Mann: „Schau, im Westen geht die Sonne unter. Die ist jetzt links, also müssen wir gerade aus, Richtung Norden, wenn wir zurück wollen.“ Klang mir einleuchtend und so waren wir dann auch nach einer weiteren Stunde wieder im Hotel. Puhh….

Dinner auf dem Dach des Restaurants

Zum Dinner sind wir ins La Foundouk gelaufen – ja wieder gelaufen, da kennen wir ja nix – aber das waren auch nur 15 Minuten und oh Wunder, nicht verfranzt. Das Essen auf der Dachterrasse war fantastisch. Wir saßen in einer lauschigen Ecke, sodass es auch gegen später nicht zu frisch wurde. Ach stimmt, trotz der heißen Temperaturen tagsüber, wird es abends merklich kühl und ein leichtes Jäckchen ist angebracht. Wie immer waren wir die Letzten im Restaurant und dann kann ich auch nur empfehlen, ein Taxi zu ordern. Die Stadt soll abends zwar einigermaßen sicher sein, aber die dunklen, kleinen Gassen, machten es mir nicht wohlig. Dem Taxifahrer mein Hotelhandy in die Hand gedrückt, denn man kennt Derb Zerwal, unser Gässchen, nicht und schon wußte er den Weg und der Nachtportier hat uns am Auto abgeholt und wohl ins Riad gebracht.

Ein schneller Blick ins moderne Marrakesch

Am 2. Tag wollten wir noch die restliche Medina abhaken um dann den Weg außerhalb der Stadtmauer zu erkunden. Wir haben den Souk, kommend vom Norden der Medina links von uns gelassen und trafen direkt auf La Koutoubia, das Wahrzeichen der Stadt. In die Moschee durften wir ja wieder nicht rein, aber das Minarett mit seinem Kachelkranz in grau, das man auch von der ganzen Stadt aus sieht, ist schon ein Must See. Wenn man es dann auch einmal geschafft hat, über die breite Strasse zu gelangen – ja die gibt es auch mal – dann landet man in einem herrlichen Palmengarten. Super gepflegt und geradezu ein Ruhepol, wenn man sich vorher durch die engen Gässlein gezwängt hat. Ohne Mopedlärm und Gestank. Man kann sich mal aufs Bänkchen setzen und hoffen, dass einen kein Schlangenbeschwörer erschreckt (ist mir passiert!!!). Aber es ist herrlich.

La Koutoubia – das Wahrzeichen!

Die Neustadt

Das Originäre, also die Medina ist sicherlich der Mainspot der Stadt, dennoch haben sich zwei Viertel außerhalb der Stadtmauern weiterentwickelt. Gueliz und Hivernage. Modernere Häuser, Prachtboulevards. Das neue Theater, meine Güte, das sind Ausmaße, als könne man die ganze Stadt bespaßen und der neue Bahnhof, waren unsere Highlights.

Oben das Theater, links unten der Bahnhof – tja und Esel sind nicht erlaubt!

Sonst? Vielleicht waren wir zu doof und haben das moderne Leben dort nicht wirklich gefunden, aber am „Platz des 16. November“ bei einem Kaffee zu sitzen, um auf ZARA zu schauen, war nicht unsere Erleuchtung. Also ab wieder Richtung Riad – ich trampelte auch mittlerweile nur noch hinter dem Mann her, von eleganten Schritten hatte das nix mehr an sich. Hattet Ihr schon mal Muskelkater in den Fußsohlen oder Schmerzen in den Oberschenkeln außen? Ich bin gerade wirklich nicht sportlich trainiert, aber dass ich so leiden mußte? Ich weiß nun, woran ich zu arbeiten habe. Endlich angekommen – ok, es gab wieder kleine Umwege, dann ab auf die Dachterrasse und Füsse hoch.
Abends ging es ins Nomad, mehrfach empfohlen. Etwas modernere marokkanische Küche auf dem Dach. Es war sehr köstlich, allerdings etwas kühl und die Alkohol Lizenz wurde ihnen gerade entzogen. Tja, wir hätten schon gerne ein Glas Wein gehabt. Aber den haben wir uns nach nach einem, nennen wir es mal ziemlich verfranzten (wir wußten nicht mehr, wo uns das Taxi auf dem Hinweg rausgeschmissen hat, sind dann doch nachts über den Big Place gelaufen, um dann nach Taxiorder, zwischen 200 anderen Taxen auf unsern Fahrer zu warten…) Nachhauseritt im Riad genossen.

Halber Tag: Jardin Majorelle und Yves Saint Laurent Museum

Selbst wenn unser Kurztrip Marrakesch nur 2,5 Tage hatte, wir mußten nochmal rüber, außerhalb der Stadtmauer, denn das am 19.Oktober 2017 eröffnete YSL Museum, wollten wir unbedingt sehen. Angeblich dauerte der Einlass des Museum nicht lange, deshalb hatte ich nicht vorbestellt. Ja Kruzifix! Wir passierten die Schlange vor dem Jardin Majorelle (ca.3 Stunden anstehen bei 32 Grad!!), um uns dann selbst in einer Schlange von 1 Stunde vor dem Musée Yves Saint Laurent wieder zu finden. Egal – da mußten wir durch. Wir hatten auch nur 2 Stunden Zeit, weil uns das Taxi dann auch zum Flughafen bringen mußte. Fuchs, wie ich bin, haben wir ein Kombiticket gekauft, das einem Eingang für beide Sehenswürdigkeiten direkt erlaubte.

Wahnsinnsbau – das YSL Museum in Marrakesch
Zumindest das Logo konnte ich mir leisten
La Deneuve – ist sie nicht schön?

Jacques Majorelle, den Maler, der den Garten kreierte, fand man auch in einem Raum des Museums wieder. Fantastische Beleuchtung machten die Malereien geradezu transparent und man hatte das Gefühl es seien Leuchtkästen. Die Räume selbst sind alle schwarz. Dann schlug mein Fashion Herz hoch, als wir in die ganzen Key Pieces von YSL sehen konnten. Vom berühmten Smoking, dem Safari Jacket, übrigens auch durch ein Foto mit Veruschka von Lehndorff dokumentiert, was lustig ist, denn mit ihr sassen wir ja schon ein paar mal in der Paris Bar in Berlin zusammen. Catherine Deneuve, der große Muse vom Meister, gehört ein ganzer Raum mit ihren Fotos. Leider durfte ich im Museum nicht fotografieren. Die Deneuve habe ich einfach mal so geschossen – also müsst Ihr dahin!
Dann schnell raus, übrigens ein fantastischer Bau, das Museum, und rüber in den Garten, die Zeit lief ja. Vorbei an den armen Leuten, die immer noch in der Schlange standen und ab in den Dschungel aus Bambus, Kakteen und vielem mehr. Nach dem Tod von Majorelle, kam YSL nach Marrakesch und verliebte sich in den Garten, belebte ihn wieder, nutzte auch das Maleratelier und wir konnten uns glücklich schätzen, so eine Oase in der Stadt besuchen zu können. Koi Karpfen Teiche und bunte Tontöpfe und vor allem das Majorelle-Blau des Malers akzentuieren den Garten. Die Asche des verstorbenen Couturiers ist in diesem Garten verstreut, was bedeutet, dass er hier sehr glücklich gewesen sein muß.

Farbrausch – wir hätten gerne mehr Zeit im Jardin verbracht!

Wir waren es auch und wären wären unglücklich gewesen, wenn wir diese beiden Örtchen nicht besucht hätten. Und nun ab zum Flughafen.

Fazit des Kurztrip Marrakesch:

Nicht ganz wissend, worauf wir uns einlassen müssen, wurden wir am Ende ungemein überrascht. Mal abgesehen von dem liebevollen, großartigen Riad Anayela, alle Leute sind unfassbar freundlich, die Stadt ist wider Erwarten sehr sauber. Das Chaos auf den Gassen muß man abkönnen. Augen zu und durch. Es gibt Schätze zu entdecken, für die man sicher mehr als 2,5 Tage benötigt. Ein richtiger Führer ist gold wert. Das Essen könnte sich vielleicht etwas mehr entwickeln – lokal mit einem Schuss Moderne, aber vielleicht haben wir es auch nur nicht gefunden. Ich hätte gern etwas mehr von dem Bohemien-Leben der 60.-70.er Jahre erfahren, denn ich bin überzeugt, dass es dies noch irgendwo gibt. Aber das erste Mal Eintauchen, Erleben und am Ende sagen zu können, ich habe alles gesehen, war toll. Ich glaube, ich mache noch mal einen Kurztrip Marrakesch, aber dann mit Mädels, mit denen in auch noch etwas tiefer in den Souk eintauchen kann, um mehr als um ein Paar Schuhen im Koffer gefeilscht zu haben!

Das Herz hat mir ein Fliesenhandwerker geschenkt! Ich war gerührt!
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2 Kommentare

  1. Liebe Leonie! Durch Deinen Bericht bin ich gerade mit Dir durch die kleinen belebten Gassen gewandert, eingetaucht in Deine Erzählungen, mitgelitten Deines Muskelkaters, mit Deinen Augen die Schönheiten der Stadt gesehen und mit Deinen Ohren die Geräuschkulissen und Lebhaftigkeit von Marakkesch gehört. Dank Deiner wundervollen Erzählung wird man mitgenommen auf einen Kurztripp und wünscht sich der Bericht möge unendlich weitergehen. Schönen Sonntag Evelin

    • Liebste Evelin, mir fällt gerade auf, dass ich Dir gar nicht auf Deinen entzückenden Kommentar geantwortet habe! Wie wundervoll. Wie ich Dich habe mitnehmen können auf unsere kleine Reise. Große Freude! Ach ich bin ganz verzückt. Danke Dir. Ich wünsche Dir einen herrlichen kuscheligen Sonntag, Du treue Freundin, Deine Leonie

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