Das Thema Hochzeit und Brautkleid ist für alle Bräute ein sensibles Thema. Es MUSS das perfekte Kleid sein, für den perfekten Tag. Es werden Zeitschriften gewälzt, auf Pinterest gestöbert, womöglich auch Hochzeitsmessen besucht. Ein unglaublicher Aufwand. Wird es der Prinzessinnen-, A-Linien-, Meerjungfrauen-Look oder doch lieber kurz?
Wer mit Tüll, Glitzer und Reifröcken gar nichts anfangen kann und lieber sein ganz persönliches Traumkleid finden möchte, für den habe ich eine Lösung. Vintage-Brautkleider mit ihrer ganz persönlichen Geschichte. Die Kleider heißen Doris, Elvira oder auch Hannelore und haben bereits glückliche Zeiten verlebt. Das zaubert einem doch schon ein Lächeln auf die Lippen, oder? Wenn ich einmal heiraten würde, dann habe ich ein gutes Gefühl, das perfekte Kleid in einem ganz besonderen kleinen Laden zu finden: Bei „Vererbt“ in Köln. Ich habe mit Judith Erb über ihre Vintage-Brautkleider „mit besonderer Geschichte“ gesprochen. FOURhang auf für diese entzückende Idee:

Wie kamst Du dazu, Brautkleider mit Geschichte zu verkaufen?

Judith: „Vor ein paar Jahren haben sehr gute Freundinnen von mir geheiratet. Bei einem Kaffeeklatsch haben wir darüber philosophiert, wie viel Geld man doch für ein Kleid ausgibt, das nur einen Tag getragen wird und ab dann im Schrank hängen bleibt. Wir haben dann gedacht, wie viele Kleider wohl in den Schränken schlummern mögen? Gleichzeitig habe ich eine Leidenschaft für Dinge, die eine Geschichte erzählen. In unsere Wohnung findet man viele Möbel, die einmal meiner Oma oder Großtante gehört haben. Ich finde es einfach schön, alte Dinge mit modernem Stil zu kombinieren. Das genau machen wir bei Vererbt.“

Was müssen die Kleider für eine Geschichte haben?

Judith: „Haha. Die Geschichte gebe ich natürlich nicht vor. Für mich ist das wichtigste Kriterium für ein Kleid, dass es aus einer glücklichen Ehe stammt. So wird es für die neue Braut auch ein bisschen zum Glücksbringer. Wir sind da ja doch alle ein bisschen abergläubisch…“

Bist Du verheiratet? Beziehungsweise, in welchem Kleid würdest Du gerne heiraten?

Judith: „Nein. Bisher steht heiraten für uns nicht im Vordergrund. Ich gehöre auch nicht zu den Mädels, die seit sie denken können von der Hochzeit als Traum in Weiß träumen. Sollte ich gefragt werden, sage ich nicht nein und würde mir sicher etwas Tolles aus meiner Kollektion zusammenschneiden.“

Wie wäre es mit einem Kostüm für´s Standesamt?

Welche Frauen suchen bei Dir ihr perfektes Hochzeitskleid?

Judith: „Das ist sehr unterschiedlich. Ich kann die Bräute da tatsächlich nicht in eine Schublade sortieren. Ich denke, dass sie alle unterm Strich offen dafür sind, etwas Individuelles zu tragen und auf ausladende Röcke mit Reifrock und Co. verzichten wollen.“

Zart, fließend, schmeichelnd: Das ist „Elvira“ von 1971!

Wollen die ursprünglichen Brautkleid-Besitzerinnen wissen, wer ihr Kleid jetzt trägt, bzw. was aus ihm geworden ist?

Judith: „Ja, die meisten Vintage-Brautkleid-Besitzerinnen sind sehr neugierig darauf zu wissen, wer das Kleid gekauft hat. Wenn beide Seiten einverstanden sind, stelle ich auch den Kontakt her und es können Fotos ausgetauscht werden. Einmal hat eine neue Braut die ursprüngliche Besitzerin sogar zu ihrer Hochzeit eingeladen (am Ende konnte diese nicht, ich fand das aber total schön).“

Hast Du selbst Mode studiert oder eine Ausbildung gemacht?

Judith: „Nein, ich bin eigentlich total fachfremd. Ich interessiere mich aber sehr für Mode und versuche auch immer wieder schöne Second-Hand Kombinationen zu tragen. Was das Schneidern betrifft – eine Naht bekomme ich wohl auch selbst repariert, aber die aufwändigen Änderungen überlasse ich dann lieber den Profis…“

Wie kommst Du auf den sehr aussergewöhnlichen Standort von „Vererbt“?

Judith: „In Köln liegen die Mieten für Ladenlokale jenseits meiner Möglichkeiten. Zudem war mir klar, dass ich eigentlich keine Laufkundschaft brauche. Man muss für Anproben sowieso einen Termin machen und von Mo – Do ist der Laden zu. Über einen Freund habe ich die Schiffshalle am Hafen gefunden und war direkt begeistert. Es ist wohl wirklich kein typischer Ort für ein Brautmodengeschäft, aber der Inhalt ist ja auch nicht normal. Daher passt das schon ganz gut!“

Hast Du ein Lieblingskleid?

Judith: „Es gibt immer wieder Kleider bei denen ich traurig bin, wenn sie verkauft sind. Mein Lieblingskleid war Modell Hannelore. Ein total tolles Spitzenkleid mit 3/4-Länge. Das war dann aber auch sehr schnell verkauft…“

Ich hätte meins gefunden! „Doris“ würde mich auch sehr glücklich machen!

Wie wäre Deine perfekte Hochzeit? Dekoration, Essen, Ort, Kleid?

Judith: „Oh je. Das kann ich wirklich kaum sagen. Für mich käme es darauf an, dass ich den Moment mit meinem Liebsten genießen kann. Im besten Fall habe ich meine Familie und Freunde um mich und wir feiern ausgelassen und tanzen ganz viel. Wer erinnert sich denn später noch an die Deko? 😉 Kann natürlich sein, dass ich am Ende auch zu einer Bridezilla werde. Man weiß ja nie.“

Man sieht Judith die Liebe zu ihren Kleidern richtig an

Ist das nicht alles bezaubernd? Vielen lieben Dank für die Zeit, die Judith sich genommen hat, meine Fragen zu beantworten. Schaut doch einfach, nach Absprache, in ihrem Laden vorbei und findet dort auch Euren Traum in Weiß.

Auch wenn das bei mir, wie bei Judith nicht ansteht, dennoch habe ich meinen kleinen Mädchentraum:
Eine Wiese mit einem langen Tisch, festlich gedeckt und geschmückt, tolles Wetter, lustige Gäste, lässige Musik, Blumen im Haar und: Natürlich ein herrliches Kleid. Wenn ich einmal heiraten würde, dann habe ich den Abspann des Films: Bella Martha (der Film endet mit einer Landhochzeit in der Toskana) im Kopf. Genau so sieht das Hochzeitsfest in meinem Kopf aus. Ein bißchen Vintage-Brautkleid, ein bißchen Hippie, leicht und locker, so müsste dann auch mein Traumkleid sein, so dass ich zu später Stunde auch barfuß über den Rasen schweben kann und es den Look nicht zerstört. Hach!

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